Allein nach dem Maß der Not?

0,00 €*

Versandkostenfrei

Produktnummer: 219203290

Von diesem Artikel können wir nur eine begrenzte Anzahl kostenlos abgeben. Falls Sie, zum Beispiel für die Arbeit in der Gemeinde, eine größere Zahl benötigen, schreiben Sie bitte bei Abschluss Ihrer Bestellung in das Feld „Zusätzliche Informationen“ einen Kommentar mit der gewünschten Anzahl.

Maximalabnahme:
100
Allein nach dem Maß der Not?
Unparteilichkeit in der humanitären Hilfe
Als humanitäre Hilfsorganisationen sind wir (Ärzte ohne Grenzen, Caritas international und Diakonie Katastrophenhilfe) dem Prinzip der Unparteilichkeit verpflichtet. Das heißt: Unsere Hilfe muss sich allein nach dem Bedarf richten. Sie muss sich auf die Bedürftigsten konzentrieren – unabhängig von ethnischer Herkunft oder politischer oder religiöser Überzeugung. In der Theorie ist das glasklar und nachvollziehbar. Aber humanitäre Helferinnen und Helfer erleben täglich, wie schwierig es ist, dieses Prinzip umzusetzen. Denn in der humanitären Praxis spielen noch andere Faktoren eine Rolle: Konfliktparteien erschweren den Zugang zu den am stärksten betroffenen Menschen oder machen ihn unmöglich, wie in Syrien oder Myanmar. Mitarbeitende der Hilfsorganisationen werden selbst angegriffen, wie im Jemen oder im Südsudan. Oder humanitäre Hilfe wird für sicherheits- oder migrationspolitische Interessen instrumentalisiert, wie zurzeit teilweise durch europäische Staaten.
Der vorliegende Sammelband greift die theoretischen und praktischen Auseinandersetzungen mit dem zentralen humanitären Prinzip der Unparteilichkeit auf und führt sie weiter. Er unternimmt den Versuch eines doppelten Brückenschlags: zwischen Wissenschaft und Praxis auf der einen Seite und zwischen der internationalen Diskussion und der Debatte in Deutschland auf der anderen. Wir freuen uns, dass wir diesen Versuch zusammen unternehmen. Die gemeinsame Arbeit an diesem Projekt empfinden wir als besondere Bereicherung. Wir danken den Autorinnen und Autoren sehr herzlich dafür, dass sie am Bau dieser Brücken mitwirken. Insbesondere danken wir den Kolleginnen und Kollegen aus der humanitären Praxis, die sich die Zeit dafür genommen haben.
Die Beiträge sollen die Diskussion nicht abschließen, sondern im Gegenteil eine intensivere Debatte anregen. Sicher werfen sie eine Reihe von Fragen auf, die tiefer bearbeitet werden sollten. Wir sind überzeugt, dass wir solche Fragen auch in Deutschland systematischer und intensiver analysieren und diskutieren sollten. Dazu wollen wir gerne die Voraussetzungen schaffen – gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen und weiteren Akteuren der humanitären Hilfe. Als Hilfsorganisationen in Deutschland brauchen wir sowohl die Auseinandersetzung mit der Wissenschaft als auch die stärkere Verbindung zu internationalen Debatten. Gleichzeitig möchten wir die praktischen Erfahrungen, die Herausforderungen und Lehren aus der konkreten Arbeit in den Projekten stärker mit dem wissenschaftlichen Diskurs verschränken und so zu einer wechselseitigen Bereicherung beitragen.
In diesem Sinne laden wir Sie mit diesem Band dazu ein, die Reflexion, Debatte und Vermittlung der humanitären Hilfe mit uns gemeinsam zu vertiefen und zu festigen.